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Blogbuch der 'Herz aus Gold'

Unsere Reise..

..begann mit einer schönen Idee die uns nicht mehr los gelassen hat.
Durch den unwahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeitsantrieb der Herz aus Gold haben wir es geschafft die Leinen loszuwerfen.

Wir sind unterwegs zur Sonne...zur Freiheit.

Blogbucheintrag 91: Aline als Podcast

Bordleben Posted on 05/12/2019 08:44

In Deutschland hat mich Frank, ein alter Bekannter, gefragt ob ich Lust auf ein Interview für seinen „Slalom“ Podcast habe. Eine völlig neue Erfahrung, die mir aber tatsächlich Spaß gemacht hat, nachdem die erste Aufregung verflogen war. Anders als sonst gibt es hier also mal etwas „auf die Ohren“. Viel Spaß!

https://cdn.podigee.com/media/podcast_14330_slalom_veranderung_gestalten_episode_25_slalom_3_3_raus_aus_dem_hamsterrad_mit_aline_bucken_reisende.mp3?v=1575322596&source=feed



Blogbucheintrag 79: „Wünsch Dir was“

Bordleben Posted on 02/11/2018 20:40

Von Aline

Unfassbar!! Es hat tatsächlich geklappt! Hahhh!!! Aber von Anfang an…

Ich habe gerade ein Buch gelesen, das mich wirklich zutiefst angesprochen hat. Es ist das gleichnamige Buch eines mittlerweile 17-jährigen Mädchens namens Christina, die aus Toggendorf in der Schweiz kommt. Christina wurde, zumindest halte ich das für äußerst wahrscheinlich, mit einem erweiterten Bewusstsein geboren. Sie hat Zugang zu Bewusstseinsebenen, die zwar prinzipiell allen Menschen zugänglich sind, aber genau darin besteht ja die Kunst. Sie spricht u.a. daüber, dass die Kraft unserer Gedanken unvorstellbar mächtig ist, wenn sie von Herzens-Energie angetrieben wird. Ich habe schon ein paarmal selbst erlebt, dass Dinge die ich mir aus tiefstem Herzen gewünscht habe auch geschehen sind. Aber es ist mir immer erst im Nachhinein aufgefallen. Ob man wohl auch aktiv wünschen kann? Es muss natürlich im Rahmen des Machbaren liegen; lebendige rosa Einhörner gehen wohl eher nicht.

Seit gut einer Woche bin ich jetzt mit den Kids alleine an Bord der „Herz aus Gold“. Schtiwi ist mit Hannah und Maurice und der MOMO in die Weft „Curacao Marine“ gefahren. Kurz vor der Abfahrt wird es nochmal richtig spannend, weil der Schwenkkiel sich nicht mehr fixieren lässt.. Ein Gewinde dreht durch und das Problem kann nicht mal so eben behoben werden. Der Termin in der Werft ist aber heute. Wir haben nur dank des Rum-Punchs unseres lieben Segelfreundes Dirk von der Moin, der schon in der Werft ist und den Werftbesitzer beim netten Zusammensitzen „überzeugen“ konnte, uns doch noch einen Platz in der rappelvollen Werft zu geben. Wir haben bei einer ersten Anfrage leider eine Absage bekommen. Gott sei Dank hatte Dirks Strategie Erfolg. Mit der MOMO in ihrem momentanen Zustand nach Aruba zu segel, ist keine Option. Stephan entscheidet, mit halben Kiel die paar Seemeilen entlang der Küste hoch in die Marina zu motoren. Ich bin froh als sie gut angekommen sind!


Seitdem vertreiben wir uns die Zeit mit Spielen und Strandbesuchen. Irgendwann werden die Kids nörgelig. Mit der Andromeda, dem Boot von Ainar und Stephen und ihren Kindern Elliot, Collin, Mia und Sara, die vor ca zwei Wochen Richtung Kolumbien aufgebrochen sind, sind ihre letzten Spielfreunde gegangen. Die Streitereien zwischen Malte und Lennis nehmen zu. Das macht es an Bord oft stessig, weil die Stimmung entsprechend angespannt ist. Das kann so nicht weitergehen! Vor allem vor dem Hintergrund dass wir noch etliche Wochen allein vor uns haben und ich jetzt schon manchmal schreiend ums Bott schwimmen möchte..

Ich starte den Selbstversuch und wünsche mir aus tiefstem Herzen Alice, Hannes und ihre Kinder Kian und Liam von der Apatiki herbei. Mehr noch für die Kinder als für mich. Darin liegt ein Teil des Geheimnisses glaube ich. Man darf es sich nicht aus egoistischen Gründen wünschen. Aber es darf gut sein für einen Selbst. Und ein Wiedersehen mit meiner lieben Freundin Alice täte mir sehr gut!!! Ich wünsche mir also gut drei Tage lang intensiv, dass die Apatikiihren Weg zu uns finden möge. Und was soll ich sagen?!! Am vierten Tag erhalte ich Nachricht von Alice, dass sie in zwei Tagen in Curacao sein werden…. Wow!! Yeahh! Ich kann mein Glück garnicht fassen! Alles ist gut!

Man kann das natürlich als Zufall abtun, aber diese ganze Reise fusst darauf, dass wir es uns aus tiefstem Herzen gewünscht haben. Und einfach daran geglaubt haben dass es geschehen wird, wenn es sein soll. Die Bedingungen kann man wohl mäßig günstig nennen: Zwei Freiberufler, vier Kinder, davon Zwillinge im Babyalter, keine nennenswerten Rücklagen und ein äusserst überarbeitungsbedürftiges, kleines Boot in Griechenland. Aber irgendwie funktioniert es. Es kamen und kommen genau die Jobs die wir brauchen um alles zu bezahlen, Mieter die unser Hexenhäuschen lieben und zu allem noch der Bootswechsel. Ich bin einfach nur unfassbar dankbar. Und überwältigt davon, wieviel Kraft in unseren Gedanken und Wünschen zu stecken scheint.


Auf Reisen begegnen einem viele Menschen die Eines gemeinsam haben: Den festen Glauben daran, dass es gehen wird. Und eine gewisse Flexibilität, den Weg auch mal zu ändern, wenn es sich richtig anfühlt bzw. erforderlich ist. Man muss sich ein Stück weit treiben lassen, kann nichts erzwingen.

Aber man sollte echt aufpassen, was man sich wünscht. Auch mit Wünschen wie: Ich wünsche mir innerlich zu wachsen. Auf den Gedanken hat mich Hannes gebracht. Er meinte völlig zu Recht: „Aber woran wachsen wir? An der Bewältigung von Problemen“. Da ist was dran. Also vielleicht sicherheitshalber erstmal nur inneres Gleichgewicht wünschen…

Die Zeit mit der Apatikiist ist großartig. Wir quatschen wieder bis tief in die Nacht und verbringen fröhliche Tage mit Kindern, die glücklich sind. Jackpot!!

„Ich bin dankbar, tja, wem auch immer. Ein gesundes Herz, (zwei) vier gesunde Kinder!
Vieles erreicht, weil, viel gegeben, letzten Endes
hatte ich nur Glück! Ich liebe das Leben!“

Absolute Beginner „Gustav Gans“



Blogbucheintrag 75: Stiefhold der Koch

Bordleben Posted on 24/09/2018 18:16

Von Stephan

Man kann im Leben ja nicht alles werden. Leider. In diesem Leben werde ich sicher nicht mehr Astronaut, Auftragskiller, Herzchirurg und garantiert nicht Koch. Dachte ich. Nun ist Aline wieder nach Deutschland abgerauscht und ich bin mit den lieben Kleinen diesmal ganze 3 einhalb Wochen alleine auf der ´Herz aus Gold´ und verrückterweise wollen die auch noch jeden Tag was zu essen haben.
Damals in meiner Junggesellenzeit habe ich die Ernährungsfrage noch ganz geschickt mit Dosenravioli und dem legendären Texas Feuertopf gelöst oder manchmal auch mit Vanillepudding. Heute kommt erschwerend hinzu, dass ich mich inzwischen vegan ernähre. Aber vegan hin oder her, nichts ist frustrierender als für unsere Piratenbande zu kochen. Aline kann da ein Lied von singen. „Bäh!“, „Das esse ich nicht!“, „Das sieht voll ekelhaft aus!“, „Ich hasse gekochtes Gemüse!“, „Dann esse ich eben gar nichts!“, sind nur eine kleine harmlose Auswahl der begeisterten Reaktionen unserer verwöhnten Chartercrew.
Für mich als absoluter Nicht-Koch geht es hier also ums überleben. Naja, wenn ich doch noch Koch werde, kann ich vielleicht auch noch Astronaut werden. Klar könnte ich mich mit einer Pfannkuchen-Flatrate geschickt aus der Affäre ziehen oder eine gemeinsame Fastenwoche einlegen, doch es hilft alles nichts. Vadda muss an den Herd, ob er will oder nicht. „Oh nee, gibt es heute schon wieder Spagetti, wir hatten doch schon vor drei Tagen scheiß Spagetti mit scheiß Tomatensauce.“

Was ich kochen soll und wie das handwerklich zu bewerkstelligen ist, ist dabei nur ein Teil der Herausforderung. Der weit interessantere Teil ist das Kochen selbst, auf engstem Raum und mit vier hungrigen Kindern im Nacken (absolut wörtlich gemeint), davon zwei Babys und davon ein Benno. Benno leidet unter chronischem Hunger und scheint kein Sättigungsgefühl zu kennen. Er ist also sowas wie der Albtraum eines jeden Restaurantbesitzers der Kunden mit einem ´all you can eat´ Angebot locken möchte. Und wenn Benno richtig Hunger hat, dann wird er ungemütlich, schreit verzweifelt, greift in die Töpfe und nach allem essbaren z.B. Schalen und sonstige Küchenabfälle. Natürlich macht Ava das inzwischen auch mit, sind ja schließlich Zwillinge.

Ohne Lennis´ Hilfe wäre ich da oft völlig aufgeschmissen. Ist es dann endlich vollbracht und das Essen steht dampfend auf dem Tisch geht der Spaß erst richtig los. Wir essen inzwischen fast ausschließlich draussen, das macht es etwas einfacher. Unsere Babys lieben es mit den Fingern zu essen und Benno liebt es sich mit Sauce einzureiben. Damit sich das nicht später als unterdrücktes Bedürfnis zu einem echten Fetisch entwickelt, soll er das auch ein Stück weit ausleben dürfen. „Nein Benno nicht in die Haare!“
Nach dem Essen steht also für Ava und Benno immer eine Ganzkörperreinigung an. Ein Boot mit Hochdruckreiniger wäre ein Traum. Bevor dann die gesättigte Meute einfach kreuz und quer einschläft, noch schnell Windeln wechseln, Zähne putzen und ab ins Bett. Danach widme ich mich dem Cockpit. Was vom Tisch, den Bänken und dem Boden zusammenkommt würde einen mäßigen Esser locker satt machen. Wenn es Reis gab sieht es so aus als hätte in unserem Cockpit eben eine Hochzeit stattgefunden. Ich kann mittlerweile richtig gut mit Besen und Kehrblech umgehen.
Es ist schon ein tolles Gefühl wenn ich danach im sauberen Cockpit sitze und es wieder mal geschafft habe die Bande satt zu bekommen. Dann schaue ich in die Sterne, träume davon Astronaut zu sein und freue mich auf den nächsten Tag als Koch. Hatte ich schon erwähnt, daß Aline die beste Smutje der Welt ist?



Blogbucheintrag 73: Fremdgehen auf Reisen

Bordleben Posted on 05/09/2018 04:46

von Stephan

Alleine der bloße Gedanke meine Herz aus Gold zu verkaufen, fühlt sich ein bisschen an wie Verrat. Immerhin ist sie meine bis dahin längste Beziehung. 23 Jahre sind wir jetzt zusammen. Wir haben viele Abenteuer erlebt, sind durch Stürme und über den Atlantik gesegelt. Gemeinsam haben wir tolle Flecken auf unserer wunderschönen Erde gesehen und doch stehe ich kurz davor meine langjährige große Liebe zu verlassen. Für eine gerade mal 2 Jahre jüngere, die weniger gepflegt aussieht und kaum größer ist. Sie hatte zudem mehr Typen vor mir und wurde von diesen ausgiebiger benutzt.

Mehr Schlafkomfort und mehr Platz hat die Neue, denn sie ist deutlich dicker. Besonders der Hintern ist um einiges breiter aber dafür mit schöneren Rundungen. Ich habe mich verguckt in diese kleine Französin, obwohl ich nicht mal in ihr stehen kann. Ja, sie wurde etwas vernachlässigt in den letzten Jahren und das hat sie nicht verdient, denn als sie jung war, war sie sicher einmal richtig schön.

Doch, hat sie auch so eine positive Energie wie unsere Herz aus Gold? Wird sie auch so gutmütig und zuverlässig sein und uns stets ein sicheres Gefühl geben? Wird sie auch so viele Delphine anlocken und Wale?
Oder entpuppt sie sich am Ende als eigenwillige Zicke, die mir erst schöne Augen und dann nichts als Probleme macht?

Natürlich ist es eine romantische Vorstellung mit der ersten großen Liebe alt zu werden, doch wir hatten damals nicht mit vier Kindern gerechnet und irgendwie bringt es uns an eine Grenze.

Wie das Leben so spielt, kaum überlege ich untreu zu werden, hat mein Herzchen auch schon einen Neuen gefunden und der ist auch noch deutlich jünger als ich. Ich weiß, sie wird bei ihm in guten Händen sein und das ist ein schönes Gefühl.

Ja, wir machen es! Bootstausch auf unserer Reise. Das hatten wir uns so nicht vorgestellt, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Wo die Liebe hinfällt.



Blogbucheintrag 59: Ein unglaubliches Jahr

Bordleben Posted on 26/05/2018 02:53

von Stephan

Ahoi!
Ein Jahr schon leben wir jetzt auf der Herz aus Gold, zu
sechst auf engstem Raum. Mit ganz viel schöner, wertvoller, gemeinsamer Zeit
und nur ganz wenigen Fluchtmöglichkeiten. Mit viel Liebe und Nähe und ab und zu
auch mal Sturm. Ein Jahr in der Natur, auf dem Meer, nah am Wetter, mit wenig
Regen, viel Wind und ganz viel Sonne, weit weg von der Heimat, von unserer Familie
und den Freunden die wir sehr vermissen. Ein Jahr auf Flip Flops, in acht
Ländern mit unzähligen neuen Eindrücken, tollen Menschen und viel Zeit zu
lernen, nicht in der Schule, sondern durch neugieriges Entdecken. Wir haben oft
Delphine gesehen und manchmal Wale, sind in türkisem Wasser geschwommen und mit
Schildkröten geschnorchelt.

Es war ein Jahr, das mit dem was wir vorher Alltag genannt
haben kaum mehr etwas zu tun hatte. Kochen auf einem rußenden 2 Flammen-Petroleumkocher,
dafür mit Meerblick und manuellem Geschirrspülen danach, dafür mit Meerblick.
Wir mussten jeden Abend unser Bett aufbauen und morgens wieder zurückbauen,
sind mit dem Dinghi zum Einkaufen gefahren, haben säckeweise Müll an Land
gefahren und unsere Wäsche in Waschsalons gewaschen. Ein Jahr lang haben wir
keine neuen Klamotten gekauft und dennoch war unser Minikleiderschrank immer
voll. Unser Strom kam ausschließlich von der Sonne, leider kühlte die kleine
Kühlbox nicht immer zuverlässig. Nur selten haben wir uns mit Handy und Laptop
über Wlan an die ferne Zivilisation angedockt.

Das vergangene Jahr war für uns ein Jahr der Extreme,
zwischen dem einfachen, reduzierten Leben an Bord eines kleinen Bootes und dem
Ausloten der eigenen Grenzen und Ängste in den Wellen des weiten Ozeans. Ein
Jahr ohne Ablenkung von uns selbst und den eigenen Gedanken, eine kostbare
Selbsterfahrung und benötigte Reinigung. Unsere Reise ist wie eine Zeitreise ins Jetzt, wo die Zeit viel
langsamer vergeht und sich alles intensiver anfühlt. Durch die unzähligen Erlebnisse
kommt es uns jetzt schon so vor, als seien wir bereits mehrere Jahre unterwegs.

Nun beginnt das zweite Jahr unserer Reise. Weitere Länder
warten auf uns, neue interessante Menschen und neue Abenteuer. Wir freuen uns
voller Spannung auf das was kommt.

Schön, dass ihr uns begleitet!



Blogbucheintrag 53: Über Kinderarbeit

Bordleben Posted on 30/04/2018 23:06

von Stephan

Seit wir mit dem Boot unterwegs sind, bin ich ein echter
Freund von Kinderarbeit geworden. Unsere Kinder leider nicht. Eventuell hätten
wir es vorher deutlicher kommunizieren sollen, denn unsere lieben Kleinen scheinen
davon auszugehen, dass sie sich auf einer All Inklusive-24 h full service mit
allem Chichi ich kriege den Arsch nachgetragen Kreuzfahrt eingebucht haben. Konkret
hatten wir vor einiger Zeit die jecke Idee, dass sich Lennis und Malte auch mal ums Abspülen
kümmern könnten.
Kam gar nicht gut an!
Um Frischwasser zu sparen, holen wir
immer eine Pütz Seewasser an Deck und spülen damit das Geschirr vor, um es
nachher mit nur wenig Süßwasser vom Salz zu befreien. Man sitzt unter der
karibischen Sonne im Cockpit, hört Musik wenn man mag und spült ein bisschen
vor sich hin. Wenn es einem zu heiß wird, springt man kurz ins Wasser und spült
dann weiter. Es gibt schlimmeres wie ich finde.

„Wieso soll ich das denn machen?“
„Na, weil Du auch Geschirr benutzt.“
„Die Babys benutzen auch Geschirr und die müssen nie
abspülen.“
„Die sind 1 Jahr alt und Du bist 9!“
„Das ist aber viel zu viel… und die ganzen Töpfe, ich
hasse Töpfe spülen.“
„Das ist jeden Tag soviel – fang doch einfach mal an.“
„Das ist unfair – es ist doch nicht mein Problem, dass ihr
keine Spülmaschine ins Boot gebaut habt – ich mache nicht den ganzen Spül.“
„Doch!“
„Nein!“
„Und ob!!“
„Dann mache ich eben nur meinen Teller, meinen Becher und
mein Besteck.“
„Vielleicht machst Du den Spül die nächsten drei Tage.“
[kurzes theatralisches
Reinsteigern
]
„Ihr seid gemein, euer Hobby ist es doch Kinder zu quälen!“
„Na klar, deswegen haben wir ja so viele von euch.“
… usw, usw.

Inzwischen läuft das ganze deutlich entspannter. Lennis
spült regelmäßig, Malte hilft ab und zu beim abtrocknen. Nie ganz ohne Murren aber immerhin.

„Sagt mal Jungs, wie wäre es wenn ihr mal wieder eure Vorpik
aufräumt?“
[…]



Blogbucheintrag 45: Die Invasion der Katamarane

Bordleben Posted on 20/03/2018 00:12

Von Stephan

Als ich vor 20 Jahren das erste Mal durch die Karibik
gesegelt bin, gab es natürlich auch schon Katamarane – hier einen und dort mal
einen oder zwei. Das hat sich wohl gründlich geändert. Unglaublich, wie viele
Katamarane hier heutzutage unterwegs sind.

Hätte ich damals in Katamaran Aktien
investiert, hätten wir jetzt auch einen. Aktuell ankern wir in den Tobago Cays
und Lennis hat heute Morgen mal gezählt: 7 Segelboote auf 13 Kats und hinten am
Horizont kommen schon die nächsten zwei. Die Vorteile liegen auf der Hand. Sie
liegen ruhiger im Wasser, schieben kaum Lage und haben zwei Maschinen, was das
Ganze besonders für die oft nur teilweise segelaffinen Crews recht attraktiv
macht. Doch allem voran ist auf diesen schwimmenden Ferienhäusern so
unglaublich viel mehr Platz als auf einem gleichlangen Einrumpfboot, dass man
aufpassen muss nicht doch heimlich ein bisschen neidisch zu werden.

Aber! Das
ist nur die eine Seite der Medaille. In unserer letzten Ankerbucht, der Salt
Whistle Bay auf Mayreau waren wir umzingelt von großen Katamaranen, alle 45 –
60 Fuß lang. Abends saßen wir im Cockpit in dieser wunderschönen Bucht und es
hatte den Charme eines Industriegebiets. Diese meist hell erleuchteten
Wasserschlösser haben nämlich offenbar ein dezentes Energieproblem. Die
Beleuchtung, der Watermaker, die 2 Kühlschränke, das Eisfach, jede Menge
Elektronik, die elektrischen Pumpen, der Heißwasserboiler…. und natürlich die
Klimaanlage wollen ja schließlich betrieben werden.

Die geniale Lösung: Der
Stromgenerator oder der Motor läuft etliche Stunden am Tag durch und so wird –
bbbbrrrbbbrrbbbbbrrrrrrrrrr – ihr Energieproblem ruckzuck zu unserem. Unsere Lösung: Wir verziehen uns an einen ruhigeren Ort. Petit Tabag ist unser nächstes Ziel!



Blogbucheintrag 27: Segeln mit Babys ist toll…

Bordleben Posted on 08/11/2017 00:23

Von Stephan

…Segeln mit Zwillingsbabys ist doppelt toll. Was mich am Segeln immer
begeistert hat, war die Ruhe. Die gibt es mit Babys auch… manchmal… wenn
Sie schlafen. Leider schlafen sie tagsüber nie gleichzeitig. Eins unserer
Segelbabys hält immer Wache.

Mehrtägige Törns auf dem weiten Meer haben mich immer
fasziniert – aber Tagestrips mit Landsicht sind auch schön.

Ich mag es, dass an Bord alles seinen festen Platz hat. Wir
gehen viel barfuß und die Duplosteine haben auch ihren festen Platz. Sie sind
überall. Und sie sind sehr eckig. Fußreflexzonenmassaker.

Warum passt die Winschkurbel nicht in die Winsch? Ach, da
steckt schon ein Stück Baguette drin. Irgendwer hat gesagt man müsse ja die
Kleinen an Bord beschäftigen, doch die süßen Kleinen beschäftigen uns. Sie
räumen ihre Schapps aus und wir räumen sie wieder ein… täglich… ca. 7 bis
11 mal und es gibt kein Wochenende.

Oft spielen sie mit uns Schnuller suchen. Das ist jetzt
eines unserer Lieblingsspiele. Es geht so. Die Babys schreien – sie wollen
einen Schnuller. Nur leider findet sich mal wieder keiner. Die Babys schreien
lauter und das Spiel beginnt. Es gibt so viele gute Verstecke auf diesem Boot,
besonders seit Benno die Bodenbretter entdeckt hat und dass sich darunter die
Bilge befindet. Doch wir werden besser.

Früher habe ich auf dem Boot gerne viel gelesen, jetzt
wechsele ich Windeln. An guten Vormittagen manchmal bereits 5 Mal!

Dafür ist es jetzt viel sicherer an Bord. Niemand rutscht
mehr aus, weil alles klebt. Wir lachen viel und die Babys lachen auch viel,
wenn sie nicht gerade schreien, weil Benno Ava an den Haaren zieht oder ihren
Schnuller wegpfeffert oder ihr seine Zahnbürste ins Gesicht rammt oder ihr
Essen wegisst… Manchmal zahlt Ava es ihm heim und setzt sich heimlich auf
seinen Kopf, wenn er tief und fest schläft.

Segeln mit Babys ist toll – ein bisschen wie im Tollhaus.
Ahoi.

https://youtube.com/watch?v=u84LNWkbeEw