Von Stephan

Man kann im Leben ja nicht alles werden. Leider. In diesem Leben werde ich sicher nicht mehr Astronaut, Auftragskiller, Herzchirurg und garantiert nicht Koch. Dachte ich. Nun ist Aline wieder nach Deutschland abgerauscht und ich bin mit den lieben Kleinen diesmal ganze 3 einhalb Wochen alleine auf der ´Herz aus Gold´ und verrückterweise wollen die auch noch jeden Tag was zu essen haben.
Damals in meiner Junggesellenzeit habe ich die Ernährungsfrage noch ganz geschickt mit Dosenravioli und dem legendären Texas Feuertopf gelöst oder manchmal auch mit Vanillepudding. Heute kommt erschwerend hinzu, dass ich mich inzwischen vegan ernähre. Aber vegan hin oder her, nichts ist frustrierender als für unsere Piratenbande zu kochen. Aline kann da ein Lied von singen. „Bäh!“, „Das esse ich nicht!“, „Das sieht voll ekelhaft aus!“, „Ich hasse gekochtes Gemüse!“, „Dann esse ich eben gar nichts!“, sind nur eine kleine harmlose Auswahl der begeisterten Reaktionen unserer verwöhnten Chartercrew.
Für mich als absoluter Nicht-Koch geht es hier also ums überleben. Naja, wenn ich doch noch Koch werde, kann ich vielleicht auch noch Astronaut werden. Klar könnte ich mich mit einer Pfannkuchen-Flatrate geschickt aus der Affäre ziehen oder eine gemeinsame Fastenwoche einlegen, doch es hilft alles nichts. Vadda muss an den Herd, ob er will oder nicht. „Oh nee, gibt es heute schon wieder Spagetti, wir hatten doch schon vor drei Tagen scheiß Spagetti mit scheiß Tomatensauce.“

Was ich kochen soll und wie das handwerklich zu bewerkstelligen ist, ist dabei nur ein Teil der Herausforderung. Der weit interessantere Teil ist das Kochen selbst, auf engstem Raum und mit vier hungrigen Kindern im Nacken (absolut wörtlich gemeint), davon zwei Babys und davon ein Benno. Benno leidet unter chronischem Hunger und scheint kein Sättigungsgefühl zu kennen. Er ist also sowas wie der Albtraum eines jeden Restaurantbesitzers der Kunden mit einem ´all you can eat´ Angebot locken möchte. Und wenn Benno richtig Hunger hat, dann wird er ungemütlich, schreit verzweifelt, greift in die Töpfe und nach allem essbaren z.B. Schalen und sonstige Küchenabfälle. Natürlich macht Ava das inzwischen auch mit, sind ja schließlich Zwillinge.

Ohne Lennis´ Hilfe wäre ich da oft völlig aufgeschmissen. Ist es dann endlich vollbracht und das Essen steht dampfend auf dem Tisch geht der Spaß erst richtig los. Wir essen inzwischen fast ausschließlich draussen, das macht es etwas einfacher. Unsere Babys lieben es mit den Fingern zu essen und Benno liebt es sich mit Sauce einzureiben. Damit sich das nicht später als unterdrücktes Bedürfnis zu einem echten Fetisch entwickelt, soll er das auch ein Stück weit ausleben dürfen. „Nein Benno nicht in die Haare!“
Nach dem Essen steht also für Ava und Benno immer eine Ganzkörperreinigung an. Ein Boot mit Hochdruckreiniger wäre ein Traum. Bevor dann die gesättigte Meute einfach kreuz und quer einschläft, noch schnell Windeln wechseln, Zähne putzen und ab ins Bett. Danach widme ich mich dem Cockpit. Was vom Tisch, den Bänken und dem Boden zusammenkommt würde einen mäßigen Esser locker satt machen. Wenn es Reis gab sieht es so aus als hätte in unserem Cockpit eben eine Hochzeit stattgefunden. Ich kann mittlerweile richtig gut mit Besen und Kehrblech umgehen.
Es ist schon ein tolles Gefühl wenn ich danach im sauberen Cockpit sitze und es wieder mal geschafft habe die Bande satt zu bekommen. Dann schaue ich in die Sterne, träume davon Astronaut zu sein und freue mich auf den nächsten Tag als Koch. Hatte ich schon erwähnt, daß Aline die beste Smutje der Welt ist?