von Stephan

Seit wir mit dem Boot unterwegs sind, bin ich ein echter
Freund von Kinderarbeit geworden. Unsere Kinder leider nicht. Eventuell hätten
wir es vorher deutlicher kommunizieren sollen, denn unsere lieben Kleinen scheinen
davon auszugehen, dass sie sich auf einer All Inklusive-24 h full service mit
allem Chichi ich kriege den Arsch nachgetragen Kreuzfahrt eingebucht haben. Konkret
hatten wir vor einiger Zeit die jecke Idee, dass sich Lennis und Malte auch mal ums Abspülen
kümmern könnten.
Kam gar nicht gut an!
Um Frischwasser zu sparen, holen wir
immer eine Pütz Seewasser an Deck und spülen damit das Geschirr vor, um es
nachher mit nur wenig Süßwasser vom Salz zu befreien. Man sitzt unter der
karibischen Sonne im Cockpit, hört Musik wenn man mag und spült ein bisschen
vor sich hin. Wenn es einem zu heiß wird, springt man kurz ins Wasser und spült
dann weiter. Es gibt schlimmeres wie ich finde.

„Wieso soll ich das denn machen?“
„Na, weil Du auch Geschirr benutzt.“
„Die Babys benutzen auch Geschirr und die müssen nie
abspülen.“
„Die sind 1 Jahr alt und Du bist 9!“
„Das ist aber viel zu viel… und die ganzen Töpfe, ich
hasse Töpfe spülen.“
„Das ist jeden Tag soviel – fang doch einfach mal an.“
„Das ist unfair – es ist doch nicht mein Problem, dass ihr
keine Spülmaschine ins Boot gebaut habt – ich mache nicht den ganzen Spül.“
„Doch!“
„Nein!“
„Und ob!!“
„Dann mache ich eben nur meinen Teller, meinen Becher und
mein Besteck.“
„Vielleicht machst Du den Spül die nächsten drei Tage.“
[kurzes theatralisches
Reinsteigern
]
„Ihr seid gemein, euer Hobby ist es doch Kinder zu quälen!“
„Na klar, deswegen haben wir ja so viele von euch.“
… usw, usw.

Inzwischen läuft das ganze deutlich entspannter. Lennis
spült regelmäßig, Malte hilft ab und zu beim abtrocknen. Nie ganz ohne Murren aber immerhin.

„Sagt mal Jungs, wie wäre es wenn ihr mal wieder eure Vorpik
aufräumt?“
[…]