Von Aline
Ein Boot ist eine kleine, schwimmende Welt für sich. Unser
Boot, die „Herz aus Gold“, benannt nach dem Raumschiff aus Per Anhalter durch die Galaxis, ist eine von Kurt Reinke entworfene
„Taranga“, ein 33 Fuss slupgetakelter Kurzkieler, für die Fachkundigen. Mit
Stahlrumpf und markantem Deckshäuschen, was dem ganzen Kahn die Anmutung einer
kleinen Lokomotive verleiht. An Bord gibt es sechs Kojen (inkl. Des Salons),
einen 150 Liter Wassertank und zwei Solarzellen. Das Baujahr des Bootes liegt
irgendwann in den Siebzigern, unser Jahrgang – passt ja! Die
Sicherheitsvorkehrungen an Bord im Allgemeinen sind eine neue Rettungsinsel,
ein Epirb (Gerät das über Satellit weltweit eine Rettungskette auslöst),
Schwimmwesten, eine Life-Line einmal um das Boot rum und Ringe um sich im
Cockpit anzupiken. Und wir haben eine Netz-Reling angebracht.

Alles ist vorhanden…auf engstem Raum. Jeder hat eine Koje
mit Wasserbett, haha, für sich. Lenni und Malte teilen sich die Vorpik – die
einzige separate Kabine an Bord. Es ist ihr kleines Reich mit eigenem Ausgang
durchs Vorluke. Lenni und Malte haben schon bemerkt, dass sie die beste Koje
haben und daher folgerichtig die Chefs an Bord sein müssen. Und wir das
Bord-Personal…So! Um die Koje zu vergrößern haben wir die beiden Einzelkojen
durch ein zusätzliches Polster zu einer großen Liege-, und Spielfläche
verbunden. Neben jeweils einer kleinen Kiste Spielzeug haben wir
Reisetagebücher, viele Brettspiele, Mal-, und Bastelsachen, Bücher,
Instrumente, Hörspiele und DVDs dabei.

Die Twinnis Benno und Ava schlafen in der Babykoje, einer
2,30m langen und an der breitesten Stelle 70cm messenden, mit einem Netz
gesicherten Koje. In Seglersprache nennt man sie Hundekoje, aber das klingt irgendwie
so komisch. Wir haben die Babykoje komplett weiß gestrichen und ein kleines
Fenster eingebaut. Jetzt ist sie hell und luftig. Im Salon haben wir ein
Anschnall-System zum Füttern und außen, im Cockpit, umgebaute Fahrradsitze für
die Babies.

Wir schlafen im Salon auf der Steuerbordseite. Die
L-Sitzbank an der Messe (der Klapptisch in der Mitte des Bootes unter dem Mast)
lässt sich mit wenigen Handgriffen zu einem 1,40 x 2,00 Meter Bett umbauen. Ehemals
sehr rustikal in dunklem Braun, haben wir uns entschieden das ganze Boot hell
zu streichen. So wirkt es viel freundlicher. Dann gibt es, auf weniger als
einem Quadratmeter, noch eine Mini Toilette mit einem Pump Klo und einem
klitzekleinen Waschbecken und eine Außendusche im Cockpit mit zwei 30 L Kanistern…
Mal sehen wie weit wir damit kommen.

Die Pantry, oder Kombüse, hat einem kleinen, kardanisch
aufgehängten zwei Flammen Petroleum Herd, den man mit Feuerzeuggas vorheizt. Eine
Hitze gibt das Ding ab – perfekt für einen Hochsommer-Trip! Nicht!! Und
natürlich muss man auch hier pumpen! Für den Gasdruck oder so..?!

Einmal gab es einen Zwischenfall. Ich bin ein Gas-Schisser,
muss man dazu sagen. Ich habe beim Nachfüllen des flüssigen Butan-Gases einiges
daneben gespraddelt. Ich bekomme es aus irgendeinem Grund nicht hin, das
Benzingas nachzufüllen OHNE das flüssige Gas daneben zu spraddeln.. Dann habe
ich leichtfertig den Herd mit dem Feuerzeug anschmeißen wollen.. BOOM! Ein, ok
kleiner, aber immerhin Feuerball explodiert vor mir im Herd. Ich habe einen
Satz zurück gemacht, bereit mich schützend über so viele Kinder wie möglich zu
werfen und muss geschaut haben wie eine Kuh wenn es blitzt… Blanke Panik!
Seit dem habe ich, sagen wir mal, größten Respekt vor dem ach so sicheren
Petroleum Herd…

Es gibt keine Spülmaschine, ein harter Verlust!, wo Spülen
doch nach Fensterputzen meine absolute Lieblingsbeschäftigung ist! Wäschefalten
nicht zu vergessen. Die Pantry hat jedoch immerhin zwei Waschbecken. Um Wasser
zu sparen spülen wir mit Seewasser mittels separater Fuss-Pumpe vor und dann mit
wenig Süßwasser nach. Alle Pumpen an Bord funktionieren manuell, inklusive der
Toilettenpumpe. Die Gewürze stehen in einem Regal mit Gummisicherung. Von der
Marmelade bis zur Tasse und den Büchern im Regal muss einfach alles immer
sicher, sprich seefest sein. Schtiwi hat das gebetsmühlenartig wiederholt und
ist mir schon echt auf den Nerv damit gegangen. Bis zu unserem ersten Segeltrip
mit etwas handfesterem Seegang. BATZ – der halbe Inhalt der backbord Schapps
(Fächer) ist mit Getöse auf den Boden im Salon gerasselt. Glücklicherweise
wurde niemand getroffen. Seitdem sind alle Schapps seefest. Gelernt! Alles hat
an Bord EINEN festen Platz. Und das mit mir, Prinzessin Chaos, Lady Räumzwang
oder Frau der tausend Tüten.

Die meiste Aktion findet im Cockpit statt. Unser Balkon mit
Meerblick, der Außenbereich, ist das Zentrum. Hier halten wir uns meistens auf,
wenn wir vor Anker liegen, mit neuem Tisch, einem großen, zum Zelt gespannten
Sonnendach und, seit neustem, gepolsterten Sitzbänken. Wenn wir segeln sieht es
anders aus, aber dazu ein anderes Mal. In der Backskiste bewahren wir alles auf
was mit Salzwasser in Berührung kommt. Neoprenanzüge, Schnorchelequipment, Pütz
(Eimer), Sonnensegel, bis hin zu Kanistern, Petroleum, Seenotsignalmittel etc.

Wir haben seit Neustem einen Aussengrill und zumindest den
Mast für einen Windgenerator. Wir befinden uns immer noch in der
Ideenfindungsphase wie man das Problem lösen kann.

Wir sind mit einem Boot losgesegelt, auf dem es immer noch
einiges zu tun gibt. Hätten wir alles vorher behoben wären wir immer noch nicht
unterwegs. Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung. Wie so ziemlich alles
was zur Zeit passiert..

Anbei ein paar bewegte Impressionen unserer Welt die ständig in Bewegung ist…